Sand- und Kiesgruben, Teil 4

Preisträger Deutscher Wiederherrichtungspreis 2004 des 
Bundesverbandes der Deutschen Kies- und Sandindustrie e.V.
Projekt 1
Die Abgrabung Langhagen der Heidelberger Baustoffwerke GmbH, Durmersheim, liegt im Herzen der landschaftlich reizvollen Mecklenburgischen Schweiz. Die Gewinnung von Kies und Sand erfolgt am Standort schon seit 1930. Bei der Wiederherrichtung wurde und wird konsequent das Ziel verfolgt, die vormaligen Abbauflächen naturnah in die umgebende Jungmoränen-Landschaft mit ihrem bewegten Relief einzupassen und dem Natur- und Biotopschutz zur Verfügung zu stellen. Die bereits renaturierte Teilfläche Nord mit einer Größe von 61 ha präsentiert sich heute als Kombination von Baggerseen und Trockenstandorten. Böschungen und Uferlinien der entstandenen Seen sind mit großen Halbinseln, Buchten und ausgedehnten Flachwasserzonen versehen. Zudem liegen in den Seen Inseln, die sich maximal 6 Meter über die
Wasseroberfläche erheben. Bei Niedrigwasser erscheinen bis zu 20 weitere kleine Inseln, die im übrigen Jahresverlauf flach überstaut sind. Abschnittsweise wurden Uferpartien mit standortgerechten, einheimischen Gehölzen bepflanzt. Weite Flächen wurden jedoch der natürlichen Sukzession überlassen. Charakteristisch für alle renaturierten Trockenbereiche ist ein reich strukturiertes Mosaik aus unterschiedlichen Pflanzengesellschaften. Niedrige, lückige Sandrasen und Pionierfluren sind eng verzahnt mit hochwüchsigen Grasfluren und offenen Gehölzbeständen.
Besonders gut dokumentiert ist die Vogelwelt rund um die Abgrabung. Prominenteste Vertreter sind Fisch- und Seeadler, die ihren Nachwuchs mit Fischen aus den Baggerseen versorgen. Seltene, störungsempfindliche Bodenbrüter wie Kiebitz, Flussregenpfeifer und Flussseeschwalbe besiedeln die Kies- und Sandflächen der Inseln und Halbinseln. Haubentaucher, Blessralle und verschiedene Entenarten brüten an den Seeufern. Brutverdacht besteht auch für den Eisvogel, der regelmäßig beim Fischfang beobachtet wird. Wiesenpieper, Braunkehlchen, Dorngrasmücke und andere Offenlandbewohner siedeln auf den Trockenflächen oder nutzen die insektenreichen Räume als Nahrungshabitat. Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Durchzügler und Gäste, die die Baggerseen jeweils für eine gewisse Zeit als Nahrungsquelle nutzen.



Projekt 2

Der Haubachsee ist Teil der sogenannten 6-Seenplatte im Süden der Stadt Duisburg. Die Kies- und Sandgewinnung begann hier bereits im Jahr 1912. In den fünfziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts plante die Stadt Duisburg den Ausbau zur 5-, später 6-Seen-Platte, die zur Naherholung dienen sollte. Der Haubachsee als 6. und letzter See entstand in den Jahren 1994 bis 2001. Der See hat eine Wasserfläche von etwa 30 ha, bei einer Gesamtfläche aller Seen von ca. 160 ha. Da das Abgrabungsgebiet insgesamt in einem Waldgebiet angesiedelt war, regte sich zunächst Widerstand in der Bevölkerung und durch den Naturschutz. Daher wurde den Belangen des Naturschutzes bei der Abgrabung Haubachsee seitens der Hülskens GmbH & CO. KG höchste Priorität eingeräumt. Das Ergebnis war die Schaffung eines reinen Naturschutzsees, der von den bestehenden Seen abgekoppelt wurde.
Ursprüngliche, landschaftsprägende Strukturen am Rande der Abgrabung wurden geschont bzw. durch geeignete Maßnahmen aufgewertet und ergänzt. Flachwasserbereiche, Steiluferabschnitte, vorgeschüttete Inseln, dahinter liegende Ringgräben, in die Uferböschung integrierte abgeschlossene Kleinseen - solche Elemente bedingen eine lange, gebuchtete Uferlinie. Alle bei der Rodung des Baumbestandes angefallenen Wurzelstöcke fanden als natürliches Baumaterial in Böschungsbereichen Verwendung. Einzelne Uferabschnitte wurden mit Sand oder Kies abgedeckt, um durch ein nährstoffarmes Bodensubstrat eine möglichst lange Vegetationsfreiheit zu gewährleisten. Stein- und Totholzhaufen rundeten das Bild einer vielgestaltigen Biotopstruktur ab. Die klassische Abfolge der Ufervegetation vom Schwimmblattgürtel im Flachwasserbereich über die Uferröhrichte und Seggenbestände bis zu den Hochstaudengesellschaften auf Flächen, die der natürlichen Sukzession überlassen wurden, hat sich nach kurzer Zeit eingestellt. Diese Bereiche bilden wertvolle Versteck- und Laichmöglichkeiten für Frösche, Kröten und Eidechsen, wie auch für Insekten. Ein durch Pflanzung initiierter Gebüschsaum am Übergang Waldrand-Böschung wurde Lebensraum für Vögel und Kleinsäugetiere. Gefährdete Vogelarten wie der Grünspecht, der Eisvogel und der Flussregenpfeifer haben mittlerweile neben vielen anderen auch hier die Natur aus zweiter Hand für sich erobert.


Projekt 3

Die ehemaligen Abgrabungen der Lenz-Ziegler-Reifenscheid GmbH im Bereich der Volkacher Mainschleife bilden ein Verbundsystem kleinerer und größerer Baggerseen, die sich eng an die letzte freie Fließstrecke des schiffbaren Mains anschmiegen. Entstanden durch die Gewinnung des Mainsandes fügen sich diese Seen nicht nur optisch eindrucksvoll in die sensible Landschaft am Altmain ein. Bei der Wiederherrichtung der Abgrabungen wurde seitens des Unternehmens auch in besonderem Maße darauf geachtet, Anforderungen der Natur gerecht zu werden. Das Verbundsystem präsentiert sich heute als vielfältiger Lebensraum eines breiten Artenspektrums. 
Wissenschaftliche Untersuchungen und Daten aus über 25 Jahren Artenzählungen, durchgeführt vom haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz, belegen diese Vielfalt.
So wurden bereits 177 Arten registriert, die auf der „Roten Liste“ stehen, davon 69 Vogelarten. Die Ursache für das einzigartige  Artenspektrum findet sich in der besonderen Vielfalt landschaftlicher Strukturen, die das Verbundsystem der Baggerseen in Kombination mit der Fließstrecke des Altmains bietet. Reich strukturierte Ufer mit Auwald, Strauch- und Gebüschzonen, Wiesen oder Schilfgürteln, großzügige Wasserflächen, Flachwasserzonen - mit diesen Elementen stellen die Kiesteiche eine ideale Ergänzung zur Fließstrecke dar. Von diesem Nebeneinander von Stillwasserzonen und Strömungsbereichen im Verbundsystem profitieren besonders die Wasservögel. So dienen die Kiesgruben als Ruhezonen mit ausreichenden Fluchtdistanzen, während die Fließstrecke des Altmains für Aufenthaltsänderungen ohne großen körperlichen Aufwand genutzt wird. An eisfreien Wintertagen nehmen die großen Baggerseen die meisten Vögel auf, während sich bei zunehmender Vereisung fast das ganze Vogelleben an der Fließstrecke abspielt. 
Langjährige Zählungen der Vogelbestände im Verbundsystem am Altmain belegen, dass die Anzahl der Wintergäste deutlich zugenommen hat. Mehr und mehr Zugvögel nutzen die Seen für einen Zwischenstopp oder gar als Ausweichquartier. 
Die Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten der „Roten Liste” zieht inzwischen zahlreiche Interessensgruppen an. Studenten verfassen Arbeiten über die wirbellosen Organismen im Uferbereich, Umweltverbände zählen Vögel, Libellen, Fische oder Spinnen, und Wanderer genießen die Natur mit offenen Augen und Ohren. Sie alle verbindet die Faszination an dieser vorbildlich gestalteten Main-Landschaft aus zweiter Hand.

Projekt 4

Der Baggersee Ochsenanger erstreckt sich innerhalb eines komplexen Systems ehemaliger Flussmäander im Überschwemmungsgebiet des Obermains. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieser Flussabschnitt weitgehend begradigt und eingedämmt. Die natürliche Auenlandschaft mit ihren Flachwassern, Uferabbrüchen und Inseln ging dabei verloren.
Kiesabbau wurde im Bereich Ochsenanger von 1982 bis 2002 betrieben. Als Folgenutzung wurde behördlicherseits von Anfang an Naturschutz festgesetzt. Im Zuge der Renaturierung sollte wieder ein auentypischer Lebensraum geschaffen werden. Bereits im Rahmen der Kiesgewinnung wurden dazu seitens des Unternehmens wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen. So beinhaltete das innerbetriebliche Abbau- und Wiederherrichtungskonzept u.a., Bereiche mit Hecken, Gehölzen und Baumbestand möglichst vom Abbau zu verschonen. Ebenso wurde beim Rückbau von Zwischendämmen auf vollständige Kiesgewinnung verzichtet, um Inselketten entstehen zu lassen. Vorhandene Altwasserreste und der umrahmende wertvolle Gehölzsaum blieben unberührt. Und auch bei der Anschüttung von Abraummaterial wurde besonders darauf abgezielt, auentypische Strukturen entstehen zu lassen.
Heute wird das ökologische Vorzeigeprojekt von einer vielgestaltigen Uferlinie mit wechselnden Böschungsneigungen, Flachwasserbereichen, Steilufern mit Abbruchkanten sowie Inseln mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen geprägt. Die vorhandene Strukturvielfalt und die Einschränkung von Freizeitnutzungen bieten für viele Arten inzwischen optimale Lebensbedingungen. Um die ungestörte Biotopentwicklung weiter zu fördern, leitete die zuständige Verwaltungsbehörde bereits 1999, noch während der Abbauphase, das Verfahren zur Unterschutzstellung der Fläche nach dem Bayrischen Naturschutzgesetz ein. Die Wiederherrichtung des Abbaugebietes Ochsenanger ist auch ein hervorragendes Beispiel für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und den zuständigen Behörden. Geprägt durch gegenseitiges Vertrauen wurden Vereinbarungen, Planänderungen oder -ergänzungen unbürokratisch und schnell getroffen, um optimale Ergebnisse zum Nutzen des Projektes zu erreichen.
 
Teil 1 Abgrabungen - ein Problem
Teil 2 Politische Entscheidungen
Teil 3 Neue Lebensräume
Teil 4 Renaturierungs-Projekte
Teil 5 Folgenutzung Naherholung