Sturmflut Hamburg 1962
Sandsack

Viele Hände, Schaufeln und Säcke gefüllt mit Sand - das sind die wichtigsten Hilfsmittel, wenn es meist im Frühjahr gilt, ausufernde Flüsse in ihre Schranken zu weisen. Wahrscheinlich kamen Sandsäcke zum Hochwasserschutz schon zu Zeiten der Römer am Rhein zum Einsatz. Unvergessen sind die endlosen Reihen aus unzähligen aufgestapelten Säcken bei den Flutkatastrophen in Hamburg 1962 oder im Oderbruch 1997.
Meist bestehen sie aus Jute, die Säcke, die geplagte Anwohner, Rettungskräfte und freiwillige Helfer als Barrieren aufschichten oder zur Rettung aufgeweichter Deiche gegen den Druck des Wassers einsetzen. Seit einiger Zeit können wir auch verwebten Polypropylenstreifen begegnen, die weit weniger schnell verrotten als die traditionellen Jutesäcke. Erfahrungen werden in den Niederlanden sogar mit Big Packs gesammelt, tonnenschweren Sandwürfeln mit einem Füllvolumen von einem ganzen Kubikmeter.

3 Schaufeln oder 15 Kilo Sand pro Sack sind die richtige Füllmenge, damit die Säcke stabil liegen, das lernt jeder Helfer am Anfang. Auf Dauer eine kräftezehrende Arbeit, oft im Wettlauf mit der Zeit. Und eine logistische Aufgabe, denkt man an die viele Tausend, manchmal sogar Millionen Säcke, die zum Einsatz kommen, um das Schlimmste zu verhindern.
Haben die Sandsäcke ihre Aufgabe erfüllt, erleiden sie meist ein trauriges Schicksal. Feuchte Jute verrottet in kürzester Zeit, wenn sie nicht sorgfältig getrocknet wird. In der Praxis landen daher viele Sandsäcke „hinterher“ auf der Deponie. Sandsäcke als Einwegprodukt.

Auch aus diesem Grund und wegen des enormen Kräfteeinsatzes muß sich der gute alte Sandsack neuerdings der Konkurrenz moderner Produkte erwehren. Da gibt es Granulat-gefüllte Säcke, im trockenen Zustand flach wie ein Brettt, die sich mit 20 Litern Wasser vollsaugen und dabei zu einem prallen Kiessen anschwellen. Oder flexible Behälter aus hochfestem Polyester, die ebenfalls mit dem reichlich vorhandenen Hochwasser gefüllt werden. Mobile Dämme aus Stahlrohren und wasserdichtem Geotextil oder auch Schutzwände aus Stahlstützen, schräggestellten Holzpaletten und Dichtungsfolien könnten in geeigneten Lagen zukünftig ebenfalls Sandsackwälle teilweise ersetzen.