Flugsand
verwandte Begriffe:
® Sanddüne, Sandsturm, Wüstensand, Löß, Sandlöß

Sand einer namibischen Düne unter dem Mikroskop. Durch die ständigen Kollisionen während des Transportes sind die Körner gut gerundet.
Wer jemals bei heftigem Sturm einen Spaziergang am Strand oder in den Dünen gemacht macht, wird einen persönlichen Eindruck von der geologischen Wirkung des Windes gewonnen haben, der ungezählte Sandkörner verfrachtet und an windgeschützten Stellen - in diesem Fall in den Taschen und Falten der Bekleidung - wieder absetzt.
Es sind insbesondere Strömungsturbulenzen in der bodennahen Luftschicht, die Sandkörner vom Boden abheben lassen. Ein Stück vom Wind mitgerissen, von der Schwerkraft wieder auf den Boden gezogen, erneut hochgewirbelt, fortbewegt und wieder abgesetzt - auf diese Weise vollziehen die meisten Sandkörner im Wind eine Art hüpfender Bewegung, die als Saltation bezeichnet wird. Nur ganz feine, staubartige Gesteinspartikel bleiben längere Zeit in der Schwebe, während sich zu große Partikel, manchmal durch den Aufprall kleinerer Artgenossen angeschoben, lediglich am Boden kriechend oder rollend fortbewegen. Da Feuchtigkeit die Sandkörner "zusammenklebt" und am Boden hält, spielt der Windtransport vor allem Trockengebieten der Erde eine große Rolle. Feinste Staubpartikel können, von gewaltigen Sandstürmen in den trockenen Wüsten aufgewirbelt, als Reisende in den Wolken selbst über mehrere 1000 km transportiert werden. So gelangen auf diese Weise enorme Mengen ® Sahara-Staubes nach Mitteleuropa und sogar bis in den südamerikanischen Regenwald.

Betrachtet man das Korngrößenspektrum, so sind es vor allem ® Feinsand und Schluff, die vom Wind verfrachtet werden, über kürzere Strecken auch Mittelsand- und Grobsand. Kommt der Sand bei nachlassender Windgeschwindigkeit zeitweilig oder dauerhaft zur Ruhe, bilden sich Flugsanddecken und/oder ® Sanddünen.

Auch Löß ist eine typische Windablagerung, dessen Korngröße allerdings größtenteils unterhalb der Sandfraktion liegt (® Schluff). Daher auch die eigenständige Bezeichnung Löß, während unter Flugsand im geologischen Sprachgebrauch genau gemnommen nur die Sandfraktion fällt. Der Übergang vom Löß zum Flugsand ist in der Natur häufig fließend. Sandlösse stellen eine Übergangsform dar. In der Bundesrepublik sind Flugsande und Lösse, die unter den klimatischen Bedingungen des vergangenen Eiszeitalters entstanden sind, weit verbreitet.

Insgesamt gelangen jährlichrund 5 Mrd. t Staub oder Aerosolpartikel durch natürlicheund vom Menschen verursachte Prozesse in die Atmosphäre. Der Mineralstaub aus den Wüsten der Erdehat daran einen Anteilvon 1,5 Mrd. t und wiederum 60 % davon entstammen dem Wüstenkomplex der Sahara.

Saharastaub nähr den Regenwald in Brasilien, bläst in die Karibik und bis in die USA und ist dabei möglicherweise bei der Bildung von Hurrikanen beteiligt. Er ereicht auch Europa, ja in manchen Fällen Skandinavien