Flusssand
verwandte Begriffe: Kiessand, Sandbank

Während der vergangenen Kaltzeiten hatten die Flüsse in den nicht vom Eis bedeckten Gebieten eine ganz andere Gestalt und ein anderes Abflussverhalten als in der heutigen Warmzeit. In den damaligen Wintern fielen weite Teile der Flusstäler trocken. In den Frühsommern dagegen führte einsetzendes Tauwetter den Flüssen gewaltige Mengen von Schmelzwasser zu. Dieses Wasser konnte auf dem tiefgründig gefrorenen Boden kaum versickern, so dass es während der Tauperioden zu enormen Hochwasserwellen kam, die in flachen und sehr breiten Talungen wildwasserartig abflossen. Unter diesen Bedingungen entwickelten sich „verwilderte” Flusssysteme aus verflochtenen Rinnen, die sich ständig verlagerten. Diese eiszeitlichen Flüsse transportierten riesige Mengen von Gesteinsschutt, der durch die intensive Frostverwitterung an den Talhängen entstand.
Bei nachlassender Strömungskraft wurde dieser Schutt in Form von Kies- und Sandbänken im Flussbett wieder abgesetzt. Im Verlauf der Kaltzeiten wuchsen diese Bänke nach und nach zu breiten Schotterfluren zusammen. Deren Überbleibsel ziehen sich, soweit sie nicht in der jüngeren geologischen Vergangenheit bereits wieder abgetragen wurden, heute als Terrassen an den Flussauen entlang.
Der ursprünglich scharfkantige Gesteinsschutt wurde bei seiner Reise im Fluß immer weiter zerkleinert und gerundet, durch die gegenseitigen Kollisionen und die schleifende Wirkung feiner Sandkörner, die in der Strömung über die Oberflächen der Bruchstücke getrieben wurden. Aus eckigen Gesteinsbrocken wurden so mit der Zeit abgerundete Kiesgerölle und feine Sandkörner, die in vielen Flusstälern (Rhein, Main, Donau, Elbe, Weser, Oder ...) als ® Rohstoff für die Bauindustrie gewonnen werden.
Foto rechts: 
das Ende der Eiszeit, dokumentiert an der Wand einer Kiesgrube an der Weser. Über eiszeitlichem Kiessand der Weser-Niederterrasse (N) folgt ein späteiszeitlicher ® Tropfenboden (T) und darüber warmzeitlicher Auelehm (A).