Sanddüne
verwandte Begriffe: Sandmeer, Sandwüste, Wanderdüne,
Flugsand
Eigentlich sind es nur zwei Komponenten - Wind und Sand -, denen Dünen ihre Entstehung verdanken. Und doch schafft dieses Zusammenspiel eine Vielfalt an Strukturen.
Die größten Dünen der Erde mit über 300 m Höhe befinden sich in Namibia (Namib-Wüste). Eine unglaubliche Faszination üben auch die Sandmeere Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel aus. Eine besondere Attraktion sind darüberhinaus auch die aus Gipskristallen bestehenden Dünen des White Sands National Monument in New Mexiko (USA). Dünen sind übrigens keineswegs nur eine Errungenschaft unseres Heimatplanetens. Hochauflösende Satellitenaufnahmen zeigen, dass Dünen auch auf dem Mars zu den weit verbreiteten Landschaftsformen gehören.
Einen Meilenstein bei der Erforschung von Sanddünen setzte bereits 1925 der englische Autor R. A. Bagnold mit seinem Buch "The Physics of Blown Sand and Desert Dunes".
Seitdem hat die besondere Ästhetik der Sandwüsten in aller Welt, das Spiel von Licht und Schatten, Makrostruktur und Mikrokosmos ungezählte Forscher, Fotografen und Wüstenreisende in ihren Bann gezogen.
Wie die Wellen eines eingefrorenen Meeres ...

oben: die Sanddünen von Maspalomas (Gran Canaria) 

rechts: Dünenketten im Satellitenbild

Es fängt mit kleinen Hindernissen an: bei Sturm lagert sich eine Sandfahne im Windschatten von Geröllen, Büschen etc. ab. Bei genügender Sandzufuhr können sich auch kleine Ansammlungen nach und nach zu Dünen entwickeln.

Wellenmuster: wie Dünenketten im Miniaturmaßstab überziehen Sandrippeln viele Dünenflanken.

Asymmetrie: die flache windzugewandte Seite wird durch den ständigen Aufprall von Sandkörnern so verfestigt, so dass sie meist sogar mit einem Auto befahren werden kann. Am windabgewandten Hang rutscht der hochgewehte Sand in Form kleiner Lawinen ab, weshalb der Sand hier viel lockerer gepackt ist.
Klassifikation: Dünen werden allgemein nach ihrer Orientierung zur Windrichtung unterschieden. Welcher Typ entsteht, ist dabei abhängig von den Windverhältnissen (Windstärke, konstante oder wechselnde Windrichtungen), der verfügbaren Sandmenge und der Bodenbeschaffenheit (Topographie, Vegetationsdichte).
Weit verbreitet sind Sicheldünen (auch als Barchane bezeichnet) mit ihrem charakteristischen halbmondförmigen Grundriss, bei denen der Sand an den Flanken schneller wandert als im zentralen Abschnitt. Meist sind sie in Ketten angeordnet, wobei das Gelände dazwischen vielfach sandfrei ist. Sand im Überfluss und dazu gleichmäßiger Wind aus einer vorherrschenden Richtung formt wellenförmige Rücken im rechten Winkel zur Windrichtung, die als Transversal- oder Querdünen bezeichnet werden. Längs- oder Strichdünen erstrecken sich demgegenüber oft kilometerweit parallel zur Hauptwindrichtung. Sterndünen setzen sich aus Dünen unterschiedlicher Orientierung zusammen.
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Weniger spektakulär sind die auf der seewärtigen Seite der Friesischen Inseln gelegenen Dünen (Bild oben: Langeoog). Dafür erfüllen sie eine wichtige Funktion, den Schutz der Inseln gegen Sturmfluten. Aus diesem Grund wird falls notwendig auch durch Anpflanzungen versucht, eine der ureigensten Eigenschaften von Dünen - das Wandern - zu verhindern.

Die größte Düne Europas liegt an der Atlantikküste bei Arcachon (Frankreich). Mit einer Länge von 2,7 km und einer Höhe von knapp 120 m hat die Dune du Pyla imposante Ausmaße. 
Aber auch entlang der Ostseeküste hat bemerkenswerte Dünen zu bieten. So ist die Hohe Düne bei Nida (Litauen) inmitten der vom Sand geprägten Landschaft der Kurischen Nehrung mit einer Höhe von 60 m eine besondere Touristenattraktion. Die Lontzkedüne bei Leba (Polen) steht letzterer nur wenig nach. Eine spannende Geschichte kann auch die Wanderdüne Råbjerg Mile an der Westküste Nordjütlands (Dänemark) erzählen. 

Kleinste Dünen finden sich darüberhinaus in vielen Gebieten Norddeutschlands, allerdings meist unter der Vegetation verborgen. Diese verdanken ihre Entstehung zum Teil dem ausgehenden Eiszeitalter, als eisige Winde aus den ohne Pflanzendecke ungeschützten Gletscher- oder Flussablagerungen Sand ausbliesen und an anderer Stelle zu kleinen Sandrücken anhäuften. Noch jüngere Dünen stammen aus dem Mittelalter, in denen Sandflächen aufgrund von Waldrodungen oder Ackerbau bloßlagen.