Rippel-Variationen
Sandrippeln am Strand und ihr Pendant im Wasser
Oszillationsrippeln auf einem Spülfeld
Strömungsrippeln in einem Flussbett
komplexe Rippelform auf einem Spülfeld, entanden durch Sandschüttungen aus zwei unterschiedlichen Richtungen
Strömungsrippeln in einer eiszeitlichen Sandschicht (ca. 200000 Jahre alt), angeschnitten im Querprofil, Strömung von rechts nach links
ein uralter Strand: Sandrippeln auf einer Steinplatte des Obernkirchener Sandsteins. Die Sandschicht wurde vor ca. 145 Millionen Jahren in flachem Wasser abgelagert und im Verlauf der Erdgeschichte zu Sandstein verfestigt.
Rippeln auf einer Düne in der Sahara
Windbedingte Rippelbildungen auf Sandhalden in einer Kiesgrube. Für Experten: die dunkleren Bänder bestehen aus groben Partikeln der Sandfraktion (ca. 1-2 mm Korndurchmesser).
5. Rätselhafte Rippeln

Einzelne Sandkörner bewegen sich im Wind oder im Wasser unberechenbar, chaotisch. Niemand mag vorauszusagen, wo ein Sandkorn, das von einer Luft- oder einer Wasserströmung aufgewirbelt und fortgetragen wird, wieder zur Ruhe kommt. Und dennoch, selbst aus ungeordneten Bewegungen vieler Sandkörner können faszinierende Muster hervorgehen. Ein eindrucksvolles Beispiel für solche schöpferischen Kräfte in scheinbar unkontrollierten Systemen sind Sandrippeln, die vielen Sandoberflächen Struktur verleihen, auf den Sandmeeren der Wüste ebenso wie am Meeresboden oder im Flussbett.
Die physikalischen Prozesse, die hinter der Entstehung von Sandrippeln stecken, wurden bereits um 1910 von der englischen Physikerin Hertha Ayrton beschrieben. Basis dafür waren einfache Experimente, die sich leicht nachvollziehen lassen. Benötigt wird lediglich ein Gefäß, etwa ein Aquarium, etwas Sand und Wasser. Der Sand wird gleichmäßig auf dem Boden des Gefäßes verteilt, Wasser wird eingefüllt und das Ganze in gleichmäßige Schwingung versetzt, so dass künstliche Wellen entstehen. Diese verursachen schon nach kurzer Zeit Rippeln auf der Sandschicht.
Fotoserie, die die Entstehung von Sandrippeln in einem eigenen Experiment illustriert. Blickrichtung von schräg oben. Das Foto oben zeigt den verwendeten Kunststoffbehälter von der Seite. Größe der Fläche 40cm x 40cm

Am Beginn spielt noch der Zufall eine Rolle. Schon kleinste Unebenheiten auf dem Sandboden verursachen Turbulenzen in der bodennahen Strömung. Hinter Kanten oder Erhebungen bilden sich Wirbel, die Sandkörner aus Vertiefungen abtragen und "nebenan" in Form kleiner Sandrücken, den Sandrippeln, wieder ablagern. Dabei wird ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt: wächst eine Erhebung, verstärkt sich der Wirbel auf ihrer Rückseite und damit nimmt auch die Materialverlagerung zu.
Wer sich etwas genauer mit der Strömungsverhältnissen an einer Sandrippel befassen möchte, findet hier weitergehende Infos: www.max-wissen.de/Tools/drucken/5310.html
Im Anfangsstadium, wenn die ersten kleinen Sandwälle seitlich zusammenwachsen, haben diese noch einen stärker geschwungenen Verlauf, der vom ursprünglichen Relief des Sandbodens mitbestimmt wird (Bild 2 und 3). Im Experiment läßt sich beobachten, dass die Rippeln mit der Zeit gradliniger werden und sich dabei mit ihrer Längsachse immer deutlicher senkrecht zur Strömung ausrichten (siehe Fotoserie). Rippelabschnitte, die anfänglich schräg zur Strömung verlaufen, können sich verlagern und dabei ihre Orientierung besser der Strömung anpassen. Ist der Winkel zwischen Strömungsrichtung und Rippelachse zu groß, können Abschnitte eines Sandrückens auch abgetrennt und erodiert werden. Speziell im Bereich von Rippelbögen und im Umfeld auslaufender Rippel vollziehen sich komplexe Umlagerungen des Sandes mit der Tendenz, auch Form und Abstände der Rippeln immer gleichmäßiger zu gestalten.

Die Sandrippeln in dem kleinen "Aquariums-Experiment" haben eine weitgehend symmetrische Form. Da die Wellen im Wechsel von den beiden Seiten des Gefäßes zurückgeworfen werden, liegt jede Rippelseite abwechselnd auf der strömungsabgewandten und -zugewandten Seite. Geowissenschaftler bezeichnen diese Form als Oszillationsrippeln. Im Unterschied dazu sind Strömungsrippeln asymmetrisch gebaut, mit einem flachen Hang auf der strömungszugewandten Seite (Luv) und einen steilen Hang auf der strömungsabgewandten Seite (Lee). Solche Rippeln erlauben es, Strömungen in längst vergangenen geologischen Zeiten zu rekonstruieren, selbst wenn die Ablagerungen viele Millionen Jahre alt sind.
 
Die Verhältnisse in einem Flussbett sind natürlich komplexer als in einem kleinen Experimentierkasten. Zum einen transportiert ein Fluss ständig neuen Sand heran, dabei auch gröberes und feineres Material. Zum anderen haben wir es hier nicht mit einer konstanten Strömung, sondern mit wechselnden Strömungsverhältnissen zu tun haben. Ein praktisches Anschauungsbeispiel zeigt das Bild links: in einem schmalen Bachbett wird der Bereich stärkerer Strömung durch die Wellen an der Wasseroberfläche angezeigt (wir erinnern uns in diesem Zusammenhang noch an die Begriffe Prallhang und Gleithang aus dem Erdkundeunterricht). Die Verhältnisse, die wir an der Wasseroberfläche sehen, haben ihr Pendant im Bachbett (Foto unten): wo im Wasser starke Turbulenzen auftreten, erstreckt sich ein  Band von Sandrippeln. Wo das Wasser gleichmäßig dahinfließt (Physiker sprechen dabei von laminarer Strömung), sind Rippeln Mangelware.
Beobachten wir die Strömung in so einem flachen Bachlauf über längere Zeit, stellen wir fest, dass sich die Wellen ständig verlagern, kleiner und größer werden, manchmal sogar ganz verschwinden, um
im nächsten Moment wieder deutlich in Erscheinung zu treten. In ähnlicher Weise verändert auch das Rippelmuster unentwegt seine Gestalt. Rippeln wandern in Strömungsrichtung und graben sich dabei gegenseitig den Sand ab. Hindernisse, etwa große Steine, schaffen dazu lokale Turbulenzen, Sandbänke ebenso wie abbrechende
Uferabschnitte verändern den generellen Strömungsverlauf - alles mit Auswirkungen auch auf die Art der Bodenstrukturen. Jeder Blick in ein trockenes Flussbett ist daher nur eine zufällig "eingefrorene" Momentaufnahme. Wegen dieser Komplexität ist es nach wie vor eine große Herausforderung an die Physiker, die Rippelbildung mit ihren steuernden Parameter in mathematische Formeln zu fassen.

Im Flachwasser an Nord- oder Ostseestränden begegnen uns meist räumlich konstantere Rippelgeometrien, weil die auf den Strand auflaufenden Meereswellen über größere Distanz vergleichbare Strömungsverhältnisse am Boden schaffen. Entsprechendes gilt auch und besonders für Sandwüsten, in denen der Wind vorzugsweise aus einer Richtung über die Dünen bläst. Sandrippeln scheinen wie von Geisterhand mit einem Kamm gezogen, sind aber doch noch nur ein Produkt physikalischer Vorgänge. 

Einen Filmbetrag des ZDF zum Thema 
mit dem Autor gibts hier
 ® Sandrippeln im ZDF
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