Expedition - in unserer Vorstellung tauchen bei diesem Wort ferne Länder, endlose Wüsten und gewaltige Gebirge auf, die es zu entdecken gilt. Regionen, in denen sich ursprüngliche Natur hautnah erleben läßt, sind für viele Urlauber begehrte Reiseziele. Doch nicht immer ist es notwendig, gleich auf Entdeckungsreise in die weite Welt zu gehen, um reizvolle Landschaften zu erleben. Selbst die heimatliche Region hält für uns Überraschendes bereit - sogar an Stellen, an denen man es nicht unbedingt vermuten würde: in heimischen Sand- und Kiesgruben. Statt Kletterausrüstung und Überlebenspaket sind dazu nur ein wenig Aufmerksamkeit, der Blick für das Detail und etwas Phantasie gefragt. Dann können dem interessierten Besucher aufregende Landschaften begegnen - allerdings im Miniaturformat, denn es sind kleine Strukturen im Sand, oft nur wenige Dezimeter groß, die an die Wüstenlandschaften Nordafrikas oder an die Nationalparks im Südwesten der USA erinnern.
Alle Aufnahmen oben zeigen Miniaturlandschaften im Sand, in der Regel nicht größer als einige Dezimeter. Bei den Fotos wurde auf leicht erkennbare Maßstäbe verzichtet, so dass sich die wahren Dimensionen nicht ohne weiteres erschließen. Bei günstigen Lichtverhältnissen, aus besonderen Perspektiven fotografiert, können so schon kleine Böschungen scheinbar zu hoch aufragenden Steilwänden werden, entwickeln sich Sandhalden zu stattlichen Bergen. Längliche Sandhaufen wandeln sich zu Dünen, Sandkegel, wenige Zentimeter im Durchmesser, präsentieren sich als bedrohliche Vulkane. Rinnsale vor der Sandhalde wirken wie imposante Flüsse, Ablagerungen am Ufer eines Kiesteiches entwickeln sich zu Inseln, die dem Anschein nach aus der Flugzeugperspektive betrachtet werden.
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Auch an den Kiesgrubenböschungen oder auf der Halde wirkt eine Form von Erosion, die imposante Reliefformen schafft. Selbst lockere Sandablagerungen besitzen stets einen gewissen Zusammenhalt, schon weil sich die Körner im Verbund untereinander verzahnen. Feuchtigkeit sorgt zusätzlich für bessere Haftung. Kalk oder Eisenverbindungen, ausgefällt aus dem Grundwasser, können darüberhinaus als natürlicher Zement eine weitergehende Verfestigung bewirken.
Wenn sich Sandkörner unter dem Einfluß von Wind und Wetter aus dem Verband lösen, werden zunächst die lockersten Bereiche abgetragen, während andere, die dem Zerfall mehr Widerstand leisten, noch ihren Zusammenhalt bewahren. Aus einer ebenen Oberfläche entwickelt sich so mit der Zeit ein Relief mit steilen Abbrüchen, flachen Terrassen und Schuttkegeln, auf denen sich das herabfallende Material sammelt. Wenn die Erosion ihr zerstörerisches Werk fast vollendet hat, verbleibt von einem ehemals hoch aufragenden Massiv nur noch eine von Sandbröckchen übersäte Ebene (Foto 4 oben).

Damit sich Sandhaufen in einer Kiesgrube in „Dünen“ verwandeln, bedarf es auch dort längerer Einwirkung des Windes. Mit zunehmender Trocknung des feuchten Sandes schleift der Wind wie ein natürliches Sandstrahlgebläse Kanten und Stufen, die bei der Aufschüttung entstanden sind. Gleichzeitig wird verwehter Sand in Hohlformen abgelagert - bis eine Halde schließlich ähnlich abgerundete Konturen angenommen hat wie eine natürlich entstandene Düne.
Selbst scheinbare Vulkanlandschaften können in einer Kiesgrube entstehen, allerdings gehören dazu besondere Bedingungen. Voraussetzung sind gering durchlässige Lagen aus Ton oder Schluff, die unter Wasser liegende Sandschichten überdecken. Gerät das Porenwasser im Sand aus natürlichen oder technisch bedingten Gründen schlagartig unter Überdruck, kann es durch einen schmalen Schlot bis an die Oberfläche gepreßt werden. Der im Wasser mitgerissene Sand lagert sich dann rund um den Schlot in der typischen Kegelform ab, die viele Vulkane kennzeichnet.
Ein Teil der abgebildeten Fotos stammt aus

Expedition in eine Kiesgrube
ISBN 3-00-004273-3

Buchbesprechung
leider vergriffen !